Wie es begann

Das Thema Integration ist nicht erst seit der Flüchtlingswelle in 2015 akut. Im Jahre 2009 entwarf der Integrationsrat der Stadt Bergisch Gladbach (IR) ein Integrationskonzept. Zwei der Ziele waren:

•   Deutschkenntnisse sind der Schlüssel zur Integration. Deshalb werden
    alleMöglichkeiten des Erwerbs und der Vermittlung der deutschen
    Sprache genutzt und unterstützt.
•   Qualifizierte Bildungs- und Berufschancenn stehen auch Zugewanderten
    offen und werden von ihnen genutzt, so dass ihnen die sinnvolle
    Tätigkeit zum Erwerb des eigenen ermöglicht
    wird. Selbstbestimmtes Leben in einer Gemeinschaft schafft
    Anerkennung im gesellschaftlichen Umfeld.

Das damalige IR-Mitglied Dirk Cromme wollte es nicht beim Konzept belassen, sondern die Erreichung dieser Ziele praktisch unterstützen. Seine Idee basierte auf folgenden Gedanken:

•   Kinder, welche die deutsche Sprache nicht beherrschen, können dem
    Unterricht nicht folgen. Sie haben darum nur geringe Chancen auf einen
    guten Schulabschluss und eine Berufsausbildung nach ihren Wünschen
    und Fähigkeiten,
•   Lehrer sind damit überfordert, diese Kinder gezielt zu fördern,
•   ehrenamtliche Mentoren könnten diese Kinder unterstützen.

Die Grundschule Gronau und kurz darauf die GGS An der Strunde zeigten sich an einem solchen Projekt interessiert. Am 04.09.2009 erschien ein Aufruf im Kölner Stadtanzeiger, dem 12 Helfer/innen folgten.

Schon bald baten weitere Grundschulen um Hilfe. Im Jahr 2013 kamen die GGS Heidkamp, die EGS und die KGS Bensberg sowie die GGS Hebborn hinzu. Die Mentorenzahl stieg auf über 70. Da das Projekt ohne öffentliche Zuschüsse auf Sponsoren angewiesen ist, kam es zur Gründung des gemeinnützigen Vereins „Migrantenkinder bekommen Unterstützung (MiKiBU) e.V.“

Anfang 2015 erweiterte sich die Förderung mit den Grundschulen Moitzfeld und Bensberg auf 8 Schulen. 130 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer betreuten etwa ebenso viele Kinder.

Das Konzept



Jutta Volk mit ihrem Förderkind in der GGS An der Strunde

Das Ziel des Vereins ist die Förderung hilfsbedürftiger Kinder und Jugendlicher besonders aus Zuwandererfamilien. Ihr schulischer Weg und ihre Schulbildung werden durch ehrenamtliche Helfer begleitet und unterstützt, um
•   den Weg zur weiterführenden Schule zu ebnen
•   die beruflichen Chancen zu verbessern
•   die gesellschaftliche Integration zu erleichtern

Die Kinder werden von den Schulen vorgeschlagen. Erst nach schriftlicher Zustimmung der Eltern fördern die Mentoren vorwiegend nach dem Unterricht von Montag bis Freitag in den Schulräumen durch
•   Hausaufgabenhilfe: in der Regel 2 x, bei größerem Bedarf auch mehr
•   Deutschhilfe: Mit selbsterstellten oder gekauften, pädagogischen
    Spielen, Büchern und anderem kindgerechtem Material wird vor allem
    Erzählen, Sprechen und Lesen gefördert.
•   Leseclubs an zurzeit 4 Schulen
•   Buchgeschenk zum Geburtstag jedes Schülers: So sollen die Schüler
    zum Lesen (ver)führt werden.
•   Ausflug je Schuljahr: MiKibU möchte den Kindern neue Erfahrungen
    vermitteln und ihnen zeigen, dass es in unserer Stadt und Gesellschaft
    Interessantes auch außerhalb von Familie und Schule gibt. So wurden
    u.a. das Rautenstrauch-Joest Museum, das Odysseum,
    Theatervorstellungen, ein Bauernhof und ein Zirkus besucht.



MiKibU-Kinder bei einer Aufführung des „Mitmach-Theaters Mathom“

Die ehrenamtlich tätigen Mentoren sind in der Regel einmal wöchentlich für 1 – 2 Stunden im Einsatz. Sie werden durch geeignetes Material, regelmäßige Treffen zum Erfahrungsaustausch, vor allem aber durch Fortbildungen unterstützt, wie z.B.:

•   Sozialer und kultureller Hintergrund von Zuwandererfamilien
•   Wie lernen Kinder heute lesen und schreiben?
•   Aller Anfang ist schwer. Lesemotivation bei Kindern aufbauen
•   „Ich bin dann mal bei mir“ Vom achtsamen Umgang mit sich selbst
•   Wie verläuft eine gelungene Integration?

Christiane Müller plant die MiKibU-Seminare und organisiert ihre Durchführung: „Die Fortbildungen sind meist schon kurz nach der Ankündigung ausgebucht und werden durchweg als gut und sehr hilfreich für die Mentorenarbeit beurteilt.“

 



MiKibU-Fortbildung „Lesemotivation bei Kinder aufbauen“

Der Flüchtlingsstrom 2015 – 2016

Die ersten Flüchtlinge in Bergisch Gladbach wurden in Unterkünften unmittelbar neben der Grundschule Katterbach untergebracht, ihre Kinder meist dort eingeschult.
Die Schulleiterin Heike Bahr-Müller: „Diese Kinder können meist kein Wort Deutsch und brauchen ganz besondere Hilfe“. Um die Kinder auch in dieser Grundschule zu unterstützen, gab es im November 2015 eine MiKibU-Informationsveranstaltung, bei der 40 neue Mentoren gefunden wurden.
Wegen der besonderen Situation der Flüchtlingskinder setzten sich die Betreuer während des Unterrichts neben ihre Schützlinge um einzugreifen, wenn Hilfe erforderlich war.

MiKibU-Mentorin Christel Polito betreute an der Hebborner Grundschule den siebenjährigen Husam aus Syrien. Als der mit seinen Eltern nach Katterbach umziehen musste, wechselte auch Christel Polito zur Grundschule Katterbach, um ihren Schützling nicht im Stich zu lassen. Sie berichtet von ihren Erfahrungen:

„Ich war positiv überrascht davon, wie wissbegierig er war und wie schnell er mit mir lernte. Innerhalb nur weniger Monate hatte er den Stoff aufgeholt und konnte bald dem Unterricht der Klasse folgen.“ Husam wird auch jetzt, im 3. Schuljahr, von Christel Polito betreut, denn trotz seiner guten Leistungen fehlen ihm natürlich viele Begriffe der deutschen Sprache, die hinterfragt und erklärt werden müssen.“ Inzwischen besucht auch Husams kleine Schwester Tsneem das erste Schuljahr in Katterbach. Sie bat um Unterstützung mit den Worten „Christel, ich benötige auch deine Hilfe!“ So wurde Tsneem ebenfalls ein „MiKibU-Kind“, das vor Kurzem voller Stolz ein Diktat mit 0 Fehlern präsentierte.
In Moitzfeld und später auch an anderen Schulen fand die Betreuung nicht im, sondern parallel zum Unterricht statt. Flüchtlingskinder aus den beiden ersten Schulklassen wurden zu bestimmten Zeiten aus dem Unterricht genommen, um ihnen als Gruppe erste Deutschkenntnisse zu vermitteln und den Unterrichtsstoff nachzuvollziehen.




Kinder der GGS An der Strunde

Ende 2016 war die Anzahl der Mentorinnen und Mentoren auf 214 angestiegen, welche in 370 Wochenstunden 220 Kinder betreuten.

Ein exemplarisches Beispiel

Amin, 10 Jahre alt, kam Anfang des Jahres 2016 mit seinen Eltern und zwei Geschwistern als syrischer Flüchtling nach Deutschland. Amin sprach kein Wort Deutsch, er hatte traumatische Flucht-Erlebnisse hinter sich und dadurch große Schwierigkeiten, sich in seine Klasse einzuleben. Von Beginn an begleiteten zwei unserer MiKibU-Mentoren, das Ehepaar Börger, Amin intensiv beim Lernen. Schnell entstand zwischen Amin und seinen Helfern ein gutes Vertrauensverhältnis.
Schon ein Jahr später beim Beratungsgespräch bezüglich des Übergangs auf eine weiterführende Schule wurde bestätigt, dass Amin inzwischen gut in die Klasse integriert war. Er hatte viele Freunde, war ein fröhliches, aufgewecktes Kind und konnte auf Grund seiner schulischen Leistungen ab Sommer 2017 die Realschule besuchen. Dieser Erfolg ist nach Aussage der Schule und der Eltern von Amin unter anderem auf die intensive Unterstützung der MiKibU-Mentoren zurückzuführen.




Amin mit seinem Mentor Prof. Dr. G.-G. Börger

Ehrungen

Die Arbeit des Vereins wurde vielfach gewürdigt:

Beim Vereinswettbewerb "Wir für die Region - Rheinberg 2018", ausgerichtet von Kreissparkasse und KStA/Bergische Landeszeitung erhielt MiKibU den Preis der Fachjury

 

Im Rahmen einer Theateraufführung im Bergischen Löwen am 09.05.2018 zeichnete Josef Willnecker, 1. stellvertr. Bürgermeister der Stadt Bergisch Gladbach, Christiane Müller mit der Ehrennadel der Stadt aus.

 

MiKibU gehörte zu den 25 Vereinen, welche am 07.07.2017 von der startsocial-Schirmherrin Angela Merkel mit einer Urkunde ausgezeichnet wurden

 

Im Rahmen der Feierlichkeiten zu fünf Jahre MiKibU am 18.09.2015 zeichnete Lutz Urbach, Bürgermeister der Stadt Bergisch Gladbach, Dirk Cromme mit der Ehrennadel der Stadt aus.

 

Am 12.01.2017 besuchte Thorsten Klute, Staatssekretärs für Integration im Ministerium für Arbeit und Soziales NRW, die GGS an der Strunde

 

Im Juni 2016 besuchte Lutz Urbach, Bürgermeister der Stadt Bergisch Gladbach, MiKibU in der GGS Gronaug

 

Am 01.06.2015 besuchte der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach die GGS Heidkamp

 

Im Mai 2016 besuchte eine chinesische Delegation MiKibU in der GGS Moitzfeld auf Empfehlung des Deutschen Beamtenbundes - Jugend NRW als „beispielhafte Initiative“

 

Am 25.03.2015 besuchte der NRW-Minister für Arbeit und Soziales die GGS Heidkamp

 

•   2014 kürt der Kölner Stadtanzeiger Dirk Cromme zum „Engel
    in Rhein-Berg“
•   Hedwig Neven DuMont bei der Feier zum 5-jährigen
     MiKibU-Bestehen: „Ich möchte euch das wirklich in Köln nachmachen“
•   Lutz Urbach bei der Verleihung der Ehrennadel an Dirk Cromme:     „Hilfsbereitschaft ist ansteckend“
•   Beate Schlich, Fachbereichsleiterin Jugend und Soziales: "Wenn es
    den Verein MiKibU nicht schon gäbe, müsste er erfunden werden."
•   Guntram Schneider, Minister für Arbeit, Integration und Soziales
    bei seinem Besuch in der GGS Heidkamp am 12.03.2015: „Mit
    Hausaufgabenhilfe und Sprachförderung bis hin zu gemeinsamen
    Ausflügen leisten die Ehrenamtlichen einen unschätzbaren
    Beitrag zur Integration der jungen Menschen. Denn Bildung und Sprache
    sind der entscheidende Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe“

Ausblick

Kinder bis zur Realschule oder zum Gymnasium zu begleiten, erweist sich als immer schwieriger. Zwar ist es gelungen, die Anzahl der Mentorinnen und Mentoren konstant bei etwa 220 zu halten, welche aktuell in 425 Wochenstunden 236 Kinder zu betreuen. Doch das reicht längst nicht aus, da eine zunehmende Anzahl von Flüchtlingskindern eingeschult wird. Diese benötigen verständlicher Weise eine besonders intensive Unterstützung und so fehlt es für viele andere Kinder, die ebenfalls unbedingt schulische Hilfe brauchen, an Kapazitäten.

Karla Löwe, MiKibU-Koordinatorin an der GGS Moitzfeld: „Zur Zeit betreuen wir mit 16 MentorInnen 20 Kinder. Wir können leider nur die mit den größten Lernschwierigkeiten aus den ersten beiden Klassen fördern. Es gibt allerdings eine große Zahl von weiteren Schülern mit und ohne Migrationshintergrund, für die nach unserer Meinung und der des Schulkollegiums Unterstützung erforderlich wäre. Wenn nur einige wenige Interessierte einmal pro Woche für 1-2 Stunden dazu kämen, könnten wir viel bewegen.“
Dieses Beispiel trifft auf fast alle unterstützten Schulen zu und zeigt, dass MiKibU dringend neue Mentoren finden muss, um allen Grundschulkindern, die Hilfe beim Lernen benötigen, helfen zu können.

Haben Sie Interesse mitzumachen? Wenn Sie Freude an der Arbeit mit Kindern haben und eine Stunde pro Woche erübrigen können, melden Sie sich unter info@mikibu.de.

Dank an unsere Unterstützer und Sponsoren

MiKibU hat keine eigenen Einnahmen. Die Anschaffung der Materialien und Buchgeschenke für unsere MiKibU-Kinder, die Bezahlung der Referenten und der
Ausflüge sind nur möglich, weil zahlreiche private und öffentliche Sponsoren unsere Arbeit großzügig unterstützen.
Deshalb hier ein großes Dankeschön für vergangene und hoffentlich auch zukünftige finanzielle Unterstützung!!

Eine Übersicht der bisherigen SPONSOREN finden Sie hier.