
„Alle Kinder dieser Erde….“
Wie oft habe ich dieses Lied mit Grundschulkindern gesungen – damals in den 28 Jahren 1977 bis 2005, als ich Pfarrer an der Kirche Zum Frieden Gottes in Heidkamp war und regelmäßig Schulgottesdienste feierte mit den Kindern der nahen Heidkamper Gemeinschaftsgrundschule oft auch ökumenisch. Einige Straßenzüge des „Dorfes Sand“ gehörten zum Pfarrbezirk Heidkamp der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach. Die Ökumene mit der Pfarrei St. Joseph/Heidkamp-St. Severin/Sand war überaus lebendig sichtbar besonders bei den ökumenischen Gemeindefesten und den Heidkamper Kulturtagen.
So machten im Jahre 2000 über 100 (!) Mitwirkende die Aufführung des „Mysterienspiels über das Leben des Heiligen Rochus“ in der übervollen Kirche St. Severin zu einem unvergesslichen Ereignis. Mit dabei waren u.a. die Kantorei Sander Heide, Mitglieder des Sander Männerchores und viele Kinder der „KGS-Sand“! – Aber über die vielen Jahre gesehen, gab es keine wirklich bleibenden, mit Leben gefüllten Kontakte zur Katholischen Grundschule Sand. -
Wie ganz anders erlebe ich es jetzt! Seit meine Frau Gabriele und ich in Sand unser Ruhestandshaus bezogen haben, ist mir die KGS-Sand so nahe wie nie zuvor. Wenn ich aus dem Fenster des Arbeitszimmers blicke, schaue ich auf den schönen, neugotischen Turm der Kirche St. Severin und sehe über den Dächern der Nachbarhäuser den Giebel der Sander Grundschule aufragen – fast zum Greifen nah. Innerlich nahe, gleichsam ans Herz gewachsen, ist mir die KGS-Sand besonders seit dem Jahre 2021.
Und das hat mit Mi Ki bU zu tun – “MigrantenKinder-bekommen-Unterstüzung e.V.“. Der als gemeinnützig anerkannte Verein geht auf eine Initiative des Integrationsrates der Stadt Bergisch Gladbach zurück und begann seine Arbeit im Jahre 2009 an zwei Schulen. Heute unterstützen über 260 ehrenamtlich tätige Mentorinnen und Mentoren ca. 400 Kinder an 15 Grundschulen unserer Stadt (www.MiKibU.de).
Seit dem Jahre 2021 ist MiKibU auch an der KGS-Sand aktiv. Zu unserem Sander MiKibUTeam gehören zurzeit acht Frauen und ich als bisher einziger Mann. Über die Woche von Montag bis Freitag verteilt, ist jeder von uns in der Regel 2 ‑3 Stunden im Einsatz und betreut zwei bis drei Kinder aus den vier Jahrgangsklassen. In enger Absprache mit den Lehrerinnen unterstützen wir die Kinder besonders in Mathematik und Deutsch.
Ja, die Deutschförderung mit Einsatz pädagogischer Spiele, Bücher und anderem kindgerechten Material steht obenan. Denn viele Kinder an der KGS-Sand und an allen Grundschulen müssen die deutsche Sprache neu erlernen. Kommen ihre Familien doch oft aus Ländern außerhalb Europas und haben in Deutschland Zuflucht gesucht vor Krieg und großer Not.
Höhepunkt für unsere MiKibU-Kinder ist der gemeinsame Ausflug wenige Wochen vor Beginn der Sommerferien. Ziele waren in den letzten Jahren das „Naturfreunde-Haus-Hardt“ und das „Bergische Museum“ in Bensberg.
150 Jahre Katholische Grundschule Sand – die längste Zeit war die KGS-Sand eine streng katholische Volks- bzw. Grundschule. Ein evangelisches Kind war die ganz große Ausnahme. Das änderte sich nach dem Ende des 2.Weltkrieges. Die ökumenische Verbundenheit der katholischen und der evangelischen Kirche öffnete nun auch Kindern aus evangelischen Famiien den Zugang zur KGS-Sand. Heute ist die Schule auch im wörtlichen Sinn „ökumenisch“ = „die ganze bewohnte Welt“. Kinder aus Ländern Europas und von anderen Kontinenten lernen, spielen, lachen und singen an der KGS-Sand.
Das oben zitierte Kinderlied lautet so: „Alle Kinder dieser Erde sind vor Gottes Angesicht eine riesige Familie…“ Diese christliche Grundüberzeugung möge auch in Zukunft das starke Fundament für die KGS-Sand bleiben.
Roland Knuth, Pfarrer i. R.